Vielleicht sind Sie der Cape Fear -Geschichte inzwischen etwas müde, da sie schon zweimal zuvor im Kino erzählt wurde, zusätzlich zum Ausgangsmaterial ein weithin bekanntes Buch namens Die Henker. Deshalb ist die Entscheidung von Apple TV, Cape Fear neu zu machen, eine etwas seltsame, aber auch äußerst überzeugende, denn in dieser Version bekommen wir etwas völlig Einzigartiges im Vergleich zu dem, was zuvor war. Das ist kein kompaktes Spielfilmprojekt, sondern wir sprechen hier von zehn Fernsehepisoden, die unter dem Hintergrund leicht über neun Stunden Laufzeit liegen, was bedeutet, dass man zwar die Ereignisse von Cape Fear kennt, sie aber nie wirklich in dieser Tiefe auf einer Leinwand präsentiert oder erforscht wurden.
Und genau hier finden wir die größte Frage und vielleicht den größten Knackpunkt der gesamten Serie. Kann Apple TVs Cape Fear die Art von intensivem Druck und Thriller-Charakter bewahren, den diese Geschichte über einen so langen Zeitraum braucht? Kann es einen auf der Spitze deines Sitzes halten, kann es einen weiter dazu bringen, zu hinterfragen, was tatsächlich passiert und was nicht, kann seine Charakterentwicklung effektiv über eine so lange Laufzeit gestreckt werden? Die Antwort ist etwas komplexer als ein einfaches Ja oder Nein, denn Cape Fear hat einige der besten Einzelepisoden, die ich dieses Jahr gesehen habe, aber auch einige der stagnierenderen, was letztlich zu einer Serie mit außergewöhnlichen Höhen und mittelmäßigen Tiefen führt.